Ausstieg aus dem Kükentöten – die aktuellen Alternativen
- Nicolai
- 5. Juli 2022
- 3 Min. Lesezeit
Am 01. Januar 2022 trat das Verbot des Kükentötens nach dem Gesetzesbeschluss vom 20. Mai 2021 in Kraft. Damit ist Deutschland der weltweite Vorreiter in diesem Gebiet. Bis zum Jahr 2021 wurden jährlich 45 Millionen männliche Küken direkt nach dem Schlüpfen mit Kohlenstoffdioxid (CO2) getötet. Dies hat rein wirtschaftliche Gründe: sie legen weder Eier, noch setzen sie aufgrund der Rasse viel Fleisch an und sind deshalb für die Mast nicht geeignet.
Welche Alternativen sich für das männliche Kükentöten ergeben, erfährst du in diesem Blogbeitrag.

Da ein Verbot des Kükentötens nur sinnvoll ist, wenn Betriebe nicht manges Alternativen ins Ausland abwandern, wurden seit 2008 verschiedene Verfahren und Initiativen mit dem Ziel gefördert, das routinemäßige Töten überflüssig zu machen.
Um welche Alternativen handelt es sich?
1. Geschlechterbestimmung im Brutei („In-ovo-Geschlechtsbestimmung“)
Mit der „In-ovo-Geschlechtsbestimmung“ lässt sich das Geschlecht des Embryos frühzeitig vor dem Schlüpfen überprüfen. Auf diese Weise können Eier, aus denen sich weibliche Küken entwickeln, weiterbebrütet werden; das Bebrüten der Bruteier mit männlichen Embryonen wird abgebrochen.
Dabei gibt es zwei unterschiedliche Verfahren:
Beim endokrinologischen Verfahren (Hormontest) wird dem Ei, nach neun Tagen der Bebrütung, Flüssigkeit entnommen, ohne dabei das Ei-Innere zu beschädigen. Anhand dieser Probe wird das Geschlecht innerhalb kurzer Zeit bestimmt. Das Verfahren wird bereits seit 2018 angewandt.
Beim spektroskopischen Verfahren (Lichttest) werden die Eier etwa vier Tage bebrütet. Danach wird anhand eines Lichtstrahls, welcher durch ein kleines Loch ins Ei-Innere geschickt wird, das Geschlecht durch die Analyse des reflektierten Lichts bestimmt. Wird im Brutei ein männliches Embryo festgestellt, so wird die Bebrütung abgebrochen.
Der Nachteil an dieser Alternative ist, dass die männlichen Küken zwar nicht ausgebrütet werden, jedoch mit dem Abbruch der Bebrütung trotzdem getötet werden.
2. Zweitnutzungshuhn
Zweitnutzungshühner sind Hühnerrassen, bei denen die Hähne gemästet und die Hennen zur Eierproduktion gehalten werden. Zweitnutzungshühner nehmen im Vergleich zu den üblichen Mastlinien bislang noch wesentlich langsamer an Gewicht zu. Auch die Legeleistung der Hennen ist im Vergleich deutlich geringer. Dadurch ist die Tierhaltung mit einer Zweitnutzungsrasse nur durch Quersubventionierung im Rahmen spezieller Programme wirtschaftlich umsetzbar. Projekte wie „RegioHuhn“ von Naturland oder „ei-care“ legen ihren Fokus auf den Erhalt einheimischer alter Hühnerrassen, welche als Zweitnutzungsrasse gehalten werden können.
3. Aufzucht männlicher Tiere („Bruderhahn“)
Als weitere Alternative zum Kükentöten gibt es die Aufzucht von männlichen Geschwistern der Legehennen. Die männlichen Tiere werden hierbei zur Fleischerzeugung gehalten. Die Aufzucht der männlichen Tiere ist hierbei sehr kostenintensiv, da ein deutlich höherer Futtermitteleinsatz bei deutlich langsamerem Wachstum erforderlich ist. Die damit verbundenen höheren Kosten werden i. d. R. mit einem höheren Preis für die Eier der Geschwisterhennen ausgeglichen.
Die wichtigsten Punkte
Mit dem Ausstieg aus dem Kükentöten ist Deutschland der weltweite Vorreiter auf diesem Gebiet. So können jedes Jahr Millionen männliche Küken nach dem Schlüpfen vor der Tötung bewahrt werden. Frühzeitig wurden Verfahren und Initiativen gefördert, welche das Töten der männlichen Küken überflüssig machen. Bei diesen Verfahren und Initiativen handelt es sich um die Geschlechterbestimmung im Ei, das Zweitnutzungshuhn und die Aufzucht der männlichen Tiere. Das Zweitnutzungshuhn und die Aufzucht der männlichen Tiere sind mit höheren Kosten verbunden, jedoch werden hierbei, anders als bei der Geschlechterbestimmung im Ei, die männlichen Tiere nicht getötet.
Welches dieser Verfahren sich letztendlich durchsetzen wird, liegt vor allem an der Wirtschaftlichkeit und Umsetzbarkeit des Verfahrens, sowie der Akzeptanz des damit verbundenen Mehrpreises für den Kunden oder die Kundin.
Quellen: Oekolandbau.de (2022): Alternativen zum Kükentöten. Online im Internet: Oekolandbau: Alternativen zum Kükentöten, Abruf am 12.05.2022
BMEL (2022): Ausstieg aus dem Kükentöten. Online im Internet: BMEL - Tierschutz - Ausstieg aus dem Kükentöten, Abruf am 12.05.2022
Verbraucherzentrale Niedersachsen (2021): Küken töten? Das sind die Alternativen. Online im Internet: Küken töten? Das sind die Alternativen | Verbraucherzentrale Niedersachsen (verbraucherzentrale-niedersachsen.de), Abruf am 13.05.2022
BMEL (2020): Sechstes Gesetz zur Änderung des Tierschutzgesetzes. Online im Internet: https://www.bmel.de/SharedDocs/Downloads/DE/Glaeserne-Gesetze/Referentenentwuerfe/6-gesetz-aend-tierschutzgesetz.pdf?__blob=publicationFile&v=2, Abruf am 14.05.2022
Bildquelle:
unsplash




Vielen Dank für diesen wirklich aufschlussreichen Beitrag! Ich habe ihn mit großem Interesse gelesen und finde es toll, wie Sie die verschiedenen Alternativen zum Kükentöten beleuchten. Das Thema beschäftigt mich schon länger, und Ihre Ausführungen haben mir geholfen, die aktuelle Situation besser zu verstehen. Besonders interessant fand ich den Punkt bezüglich der technischen Umsetzbarkeit – da frage ich mich, wie weit wir da schon sind. Wenn ich darüber nachdenke, erinnert mich das Ganze auch an ein eigenes kleines Projekt, bei dem es darum ging, Prozesse zu optimieren, um unnötige Schritte zu vermeiden. Manchmal sind es die kleinen, scheinbar unwichtigen Dinge, die in der Summe einen riesigen Unterschied machen können. Ich bin gespannt, wie sich diese Entwicklungen weiter gestalten werden. Es…
Hallo zusammen, ich muss sagen, ich war anfangs auch etwas skeptisch, was das Thema Ausstieg aus dem Kükentöten angeht. Es ist ja doch ein tief verwurzelter Prozess in der Branche. Aber je mehr ich darüber nachdenke und eure Beiträge hier lese, desto mehr erkenne ich die Notwendigkeit und die spannenden Möglichkeiten, die sich daraus ergeben. Ich hätte wirklich nicht erwartet, dass mich dieser Text so sehr anspricht. Besonders die Vorstellung, dass es bereits funktionierende Alternativen gibt, die man vielleicht noch nicht überall auf dem Schirm hat, finde ich faszinierend. Jetzt, wo ich mich intensiver damit beschäftige, würde ich tatsächlich gerne noch mehr über die konkreten Umsetzungsstrategien und die Erfahrungen von Betrieben hören, die diesen Weg bereits gehen. Es ist ein…
Absolut richtig, was Sie zum Thema Ausstieg aus dem Kükentöten schreiben. Das ist ein Thema, das mich auch sehr beschäftigt. Ich habe Ihren Beitrag gleich mal in meinen Lesezeichen gespeichert, weil er so viele wichtige Punkte anspricht. Wenn ich darüber nachdenke, würde ich vielleicht noch ergänzen, dass die Entscheidung für einen Ausstieg stark vom jeweiligen Kontext abhängt. Was für den einen Betrieb funktioniert, muss nicht zwangsläufig für den anderen passen. Es ist ein komplexes Feld mit vielen Facetten. Mich würde wirklich interessieren, was Sie persönlich heute anders machen würden, wenn Sie die Entscheidung für den Ausstieg noch einmal treffen könnten. Gibt es Aspekte, die Sie im Nachhinein anders angehen würden? Ganz ehrlich, vielen Dank für die Mühe, die Sie sich…
Vielen Dank für diesen wirklich aufschlussreichen Beitrag! Ich bin ganz Ihrer Meinung, dass das Thema Ausstieg aus dem Kükentöten noch viel mehr Aufmerksamkeit verdient. Es ist ein komplexes Feld, und ich frage mich ehrlich, wo man noch tiefere Einblicke gewinnen kann, wenn man sich intensiver damit beschäftigen möchte. Ihre Perspektive darauf hat mir wirklich die Augen geöffnet und spricht mir aus der Seele. Besonders schätze ich den Respekt, mit dem Sie dieses sensible Thema behandeln und Ihre Gedanken mit uns teilen. Es ist nicht selbstverständlich, dass man sich so offen mit solchen Herausforderungen auseinandersetzt. Ich denke oft darüber nach, wie wir als Konsumenten einen Unterschied machen können, und Ihre Ausführungen geben mir da neue Anregungen. Es ist ermutigend zu sehen,…
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